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Druckgrafik :
Photogravure
Trapassate
(2001)
Aquatinta, Carborundum, Photogravure
Schneider Bütten | 63x63 cm | Auflage: je 5 Expl. nummeriert und signiert
Tattoo
(1999)
Radierung, Photogravure
77x60 cm | Auflage: je 7 Expl. nummeriert und signiert


Akt. Poesie
‚Tattoos' nennt Walter Ehrismann seine Aktbilder. Graphische
Strukturen, kantig und gleichzeitig fliessend, durch ein Kreisrund
begrenzt, ziehen sich über die seitliche Rückenpartie eines nackten
Frauentorsos, scheinen mit Farbe in die Haut eingeritzt. Die Formationen
dringen in den Körper ein und fliessen gleichzeitig über die Körperrundungen
hinweg. Einer Landschaft gleich, verschwinden sie am Rande des Kreises,
lösen sich irgendwo im Nichts auf, eine Weltkugel suggerierend. Die
Landschaft: die Kanten des Gebirges, die Frische der Wiese, die Ruhe des
fliessenden Gewässers. Sie vermittelt zwischen der Nacktheit des Körpers
und der Natur, zwischen Mensch und Umwelt, Individuum und Welt. Und
doch: die Welt erfasst den Körper nicht, sie fängt und schliesst ihn
nicht ein. Es ist der Körper, der die Kugel umfasst, die Landschaft
umarmt, sich über sie zu legen scheint. Und dann: die Welt-Landschaft,
die sich im gleissenden Licht, in der Wärme aufzulösen scheint, in sie
hinübergeht. Der knieende Frauenakt, der mit - vor, hinter - dem Feuer
tanzt, sich im Rhythmus von züngelnden Flammen bewegt.
Die verschiedenen Bedeutungsebenen entsprechen der Mehrstufigkeit von
Walter Ehrismanns aufwändigem technischen Verfahren. Fertigkeit und Präzision
führen zu einer Vermischung der Bildschichten, von Vordergrund und
Hintergrund, innen und aussen - materiell und ikonographisch. Es ist die
Landschaft, das Feuer, in einer dreistufigen Aquatinta mit je einer
Farbe, die den Arbeiten zugrunde liegt. Die Schwarzweissfotografie eines
weiblichen Körpers, fotochemisch auf eine vierte Kupferplatte übertragen,
ist mit Staubkörnern in die Platte geätzt. Naturelemente verbinden
sich so mittels technischer Mittel und Materialien und visueller
Elemente zur Körperlandschaft. Was sich unter der sanften Haut
befindet, tritt plötzlich zu Tage. Ist es das Innere des Körpers, auf
das im Kreis der Blick fällt? Ist es die Netzhaut des Betrachters, in
der sich der Körper spiegelt, über die das Auge das Unsichtbare hinter
dem Sichtbaren sucht?
Gleich dem Renaissancekünstler, der im Äusseren des Körpers
Anhaltspunkte für dessen Inneres sucht, versucht Walter Ehrismann,
hinter die oberflächlichen Erscheinungen zu sehen. Nicht nur die
anatomischen Grundstrukturen, die den perfekten Körper bilden, ergründet
er jedoch, es sind viel mehr die menschlichen Zwischenebenen, die er
erspürt, die unbeschreiblichen Ebenen des Denkens und des Fühlens, die
sich über alles und den Menschen in seiner Umgebung zum Individuum
erheben.
Franziska Lentzsch
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