Ausstellungskritiken
Den nachstehenden Pressetext mit zugehörigem Bildmaterial können Redaktions- und Pressestellen direkt bei der Galerie am Platz anfordern.
Pressetext und das dazugehörige Bildmaterial in Druckauflösung hier via E-Mail anfordern
Am Weg zur Farbe
Als Walter Ehrismann 1978/79, also vor rund 30 Jahren, begonnen hatte, sich konsequent des Tiefdrucks zu bedienen und den ganzen Bereich der farbigen Collage hinter sich zu lassen,
- vgl. aufliegende Monografie, 1993, Offizin Verlag Zürich
sind in rascher Folge Radierungen, Aquatinten, Kaltnadel und Vernis mou entstanden, natürlich monochrom schwarz, wie es zur Strenge dieses Ausdrucksmittels gehört. Denn diese Technik erlaubt keine sprühenden Farbreigen. Sie geht hervor aus der langen Tradition der Druckgrafik, wie sie u.a. Rembrandt, Piranesi oder Goya, auch Redon angewendet hatten. Von Ehrismanns Themen her waren es oft Bilder zu literarischen Vorlagen, zu Menschen, imaginierten Landschaften und Räumen, und obwohl sie eben im Schwarz-Grau-Bereich daher kommen, sind sie doch niemals eintönig, wenn man die ganze Skala der subtilen Lichtwirkung miteinbezieht.
- “Am Wasser”, Radierung/Aquatinta, 1983, Auflage 10
Dieser Entwicklung voran gegangen waren lose Skizzenblätter, Kohle/Kreide und auch mal Rötel/Kreide auf grauem Papier, vom Dargestellten her durchaus “abstrakt”, was immer auch dieses Wort bedeuten mag, und weil es so “unbedeutende” Arbeiten waren, blieben sie in einer der vielen Schubladen im Atelier liegen und dämmerten dort vor sich hin, bis Ehrismann 30 Jahre später einen ähnlichen Abstraktionsvorgang, gleichsam von den Wurzeln her, wiederholte, diesmal aber in Farbe. Nun erinnerte sich der Künstler an diese frühen Blätter, holte sie ans Licht und stellt sie nun zum ersten Mal in der Galerie am Platz in dieser Ausstellung vor.
- “Die Leichtigkeit des Raums”, 1976 bis 1978, Kohle/Kreide
- “Körperspuren”, Rötel/Kohle, 1978
Wie diese frühen Blätter sind die aktuellen Farbbilder der Chromas und Farbspuren gleichsam aus dem Nichts entstanden, Miniaturen, auf einem Stück Leinwandrest erschaffen, der Spuren früherer Farbschichtungen trug, abgekratzt und abgeschliffen und nun mit neuer Farbe neu gestaltet, übermalt, einer andern Form, einer andern “Geschichte” untergeordnet, die sich von Bild zu Bild entfaltet.
- “Farbspuren”, Eitempera-Miniaturen, 2004/05
- “Chroma”, Eitempera, 2008
Die grossen Werke markieren die definitive Rückkehr zur Farbe. Anfangs noch auf einem s/w-Bildträger, Aquatinta-Radierungen in Vierer-anordnung übermalt, so dass die Prägung der Platten im Papier eine Fensterwirkung entstehen liess, meist in luftigen Gelbschattierungen mit Schwarzakzenten, wie Ehrismann sie seit 1998 zu eigentlichen Farbfenstern verdichtete – auch seine letzte Ausstellung 2006 in der Galerie am Platz beruhte v.a. auf diesen Bildgruppen – erinnert sei an die “Dancer”.
- “Körperspuren”, “Am Meer”, Aquatinta/Radierungen mit Eitempera
Und dann die neuesten Werkgruppen: grosse Leinwände, von Gelb zu Rosa, zu Weiss, Hellblau und Hellgrün pulsierend, durchaus auch Bildliches darstellend, Körper und Landschaften in Gruppen vereinigt, von der Fotografie herkommend, übermalte Ink Jets, Bilder, die in ihrer Farbigkeit weit über alles hinaus gehen, was der Künstler bisher zu seinem Thema gemacht hat:
ein Fest der Farbe !
- “Torso”, “Am Fenster”, “Flore”, Ink Jet/Ölfarbe, 2008/09
Mai 2009
Galerie am Platz, Eglisau