Literaturkritiken
Berührt. Roman, Edition Howeg
Trotz der die Illusion des unmittelbaren Berichtes immer wieder neu weckenden Präsens-Referenz des Ich-Erzählers vermengen sich Gegenwart und Vergangenheit schnell zu einem irgendwie schlingernden Dazwischen und Dahinter. Hat der Künstler den Wettbewerb wirklich nur der Qualität seiner Werke wegen gewonnen – oder nicht doch auch, weil er dem Vater der Galeristin Isabelle Malavou fast zum Verwechseln ähnelt? Jenem Mann, den die mittlerweile knapp Vierzigjährige anbetete, so sehr, dass er wohl der Vater ihrer Tochter Roberta, sie also deren Halbschwester ist. Tasten sich Sandro und Roberta, die bei Gianni, dem Drucker, aushilft, sonst aber Geige spielt und Musik studiert, nicht auch seelisch und körperlich zueinander hin, weil sich so transponiert und damit metaphorisch wiederholt, was ihrer Mutter und ihrem Großvater/Vater widerfuhr? Dass die kokainsüchtige Isabelle, die eigentlich mit dem Konstrukteur und Unternehmer Ermanno zusammenlebt „etwas“ mit ihrem Dealer, dem Türken Mehmet hat, der wiederum Sandros drogensüchtigen, gegen Ende des Buches drogentoten Bruder kennt; dass das Haus, wo Isabelle mit Ermanno, Mutter und Tochter wohnt, auch das Zuhause früher Tage des Künstlers war und einige davon neu gespiegelt wieder erwachen – all das ist ebenfalls mindestens so Frage wie Antwort.
Ein überaus dichtes Buch!
Egidius Aebli
ZSV News
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Mise en Place oder Mayas Bankett und die Ehre des Kellners
«Er stellt das konkrete Beispiel und Schicksal des Kellners als Pars pro Toto für die Problematik der Arbeit heraus – und dies mit geradezu literarischer Qualität.» Das meinte die Jury über den Text von Walter Ehrismann, der Platz 2 im «Bund»-Essaywettbewerb «Ich arbeite, also bin ich» belegte.
(Kritik aus «Der kleine Bund»)
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